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Klassisches ERP packt’s nicht mehr

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Der ERP-Markt verändert sich. Neue SaaS- und Cloud-Services kommen auf den Markt. Anwender sind verunsichert und bevorzugen die klassischen Modelle. Doch die stoßen an ihre Grenzen.

Nahezu ein Drittel der eingesetzten ERP-Systeme ist älter als zehn Jahre und muss über kurz oder lang modernisiert werden, stellt die Marktstudie ERP 2010 der COMPUTERWOCHE fest. Aufgrund der Entwicklungen in den Unternehmen stoßen viele ERP-Anwendungen bereits heute an ihre Grenzen. „Durch Internationalisierung, Fusionen und ein oft rasantes Veränderungstempo sind die IT-Systeme vieler Unternehmen zur Komplexitätsfalle geworden“, schreibt die COMPUTERWOCHE.

Das Marktanalyseinstitut Forrester empfiehlt den Anwendern in seiner Studie „State of ERP in 2011“ aus diesem Grund, ihre ERP-Systeme zu überprüfen, inwiefern die bestehenden Anwendungen gegenwärtigen und vor allem auch künftigen Anforderungen des Business gewachsen sind. Darunter versteht Forrester, dass die Systeme es den Unternehmen ermöglichen, schnell auf Veränderungen im Markt reagieren zu können. Außerdem müsse die Software die Unternehmen auch in ihrem Wachstumskurs unterstützen.

Das klingt einfacher als es ist. Denn laut Forrester haben die meisten Anwender Schwierigkeiten mit der aktuellen ERP-Entwicklung. Die Vielzahl an Angeboten, neuen Bezugsmodellen und erweiterten Funktionen verunsichere sie und erschwere es ihnen, „den Durchblick zu behalten“. Tatsächlich überarbeiten die etablierten ERP-Anbieter derzeit ihre ERP-Suiten und bieten neue Benutzeroberflächen, erweiterte Analyse- und Reporting-Werkzeuge, die Einbindung mobiler Endgeräte sowie die Integration von Collaboration- und Social-Media-Tools. Aus dieser Angebotsvielfalt müssen die Verantwortlichen bewerten, ob und wie relevant diese Neuerungen für das eigene Unternehmen sein können. Das ist nicht einfach, denn inzwischen kommen auch noch neue Bereitstellungsmodelle hinzu wie ERP als Software as a Service sowie ERP komplett aus der Cloud.

ERP als Software as a Service und aus der Cloud

Trotz ausufernder Upgrade-Projekte hat „das Interesse an Lösungen, die eine berechenbare und stabile Cost of Ownership bieten, zugenommen“, stellt Frank Naujoks Bereichsleiter Research bei i2s, in der „ERP-Zufriedenheitsstudie“ fest. Das betreffe auch ERP-SaaS-Lösungen wie SAP Business-By-Design (ByD) und Microsofts-ERP-Systeme, die von SaaS-Plaza beispielsweise im On-Demand-Modus angeboten werden.

Jedoch habe der Anwender bislang nicht die Wahlfreiheit, zwischen den Deployment-Modellen zu wählen, weil die On-Premise- und On-Demand-Angebote der Anbieter nicht weitreichend miteinander harmonieren. Auch die bisherigen Umsatzmodelle müssten angepasst werden, „denn statt einer hohen Einmalzahlung und anschließenden Wartungserlösen werden künftig monatliche Mieteinnahmen anfallen, aus denen Infrastruktur, Entwicklung und Support finanziert werden müssen“, so Naujoks.

Entscheidungskriterien

Die Frage, welches Modell für das jeweilige Unternehmen geeignet ist – On-Premise, On-Demand (als SaaS- oder komplett als Cloud-Lösung) – lässt sich derzeit nicht pauschal beantworten. Für die Entscheidungsfindung gelten die gängigen Argumente wie für die generelle Nutzung von Cloud Computing. Damit kann das Thema Sicherheit eine gewisse Hilfestellung geben. Denn wer aus Compliance- oder Informationssicherheit-Gründen heraus besondere Schutzvorkehrungen benötigt, wird zumindest bei der Auswahl des ERP-Cloud-Anbieters darauf achten müssen, wo dessen Server stehen, welchem Anbieter er vertraut oder ob er seine ERP-Lösung überhaupt auslagern will.

Ein weiteres Kriterium sind die Kosten – insbesondere für Hardware und Lizenzen. Bei ERP als SaaS oder aus der Cloud entfallen diese – das ist ein Vorteil für die Anwender, sofern die Mietkosten nicht ausufern, denn die Bezahlung richtet sich nach dem Bedarf und der Auswahl der ERP-Module. Insofern ist es hilfreich, wenn bereits vor Vertragsbeginn klar ist, wie sich das Nutzungsverhalten entwickeln wird.

Vor allem für kleinere und mittelständische Unternehmen sowie Start-Ups, die ein starkes Wachstum mit großen Veränderungsprozessen durchlaufen, eignet sich das Mietmodell, da es stets aktuelle Software-Versionen zur Verfügung stellt und die Skalierung ohne Aufwand erfolgt.

Trotz Skepsis ist Interesse vorhanden

Diese Verunsicherung führt in Deutschland zu einer überwiegenden Skepsis der Anwender gegenüber der Nutzung von Cloud Computing, stellt das Marktanalyseinstitut Pierre Audoin Consultants (PAC) fest. Zwar zeigen die Unternehmen Interesse, jedoch dominiert die Zurückhaltung. Dennoch ist der Trend hin zu diesen Anwendungen unumkehrbar, da der Bedarf zunimmt. Die Geschwindigkeit, wie schnell der Markt wachsen wird, hängt allein davon ab, inwieweit die Anbieter ihre Lösungen harmonisieren, Sicherheitsgarantien bieten und attraktive Kostenmodelle entwickeln, so dass der Anwender vom Nutzen der ERP-Lösung on Demand überzeugt und nicht noch mehr verwirrt wird.

Von Oliver Häussler

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Diskussion
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Detlefissimo
Detlef Kanting 2 Punkte | Mo, 07/23/2012 - 12:15

Hallo,

meiner Meinung nach sind die klassischen, fest implementierten ERP Lösungen immernoch wesentlich stabiler und auch sicherer. Eine teilweise Auslagerung in eine Cloud finde ich vernünftig und auch sinnvoll (beispielsweise für Datenabgleich mit Tochterunternehmen) Jedoch würde ich von einem kompletten Cloud-System abraten. Hierzu ist die Abhängigkeit von Internet und die Sicherheitslücken noch zu groß. Dafür sind mir die Daten zu sensibel. Ich selbst bin IT-Leiter eines mittelständischen Bauunternehmens. Wir suchen derzeit einen neuen ERP Anbieter, da eine teilweise Modernisierung unseres bisherigen Systems leider ausblieb. Eine Partnerfirma hat uns http://www.erp-vergleich.com ans Herz gelegt, da sie damit ihren ERP Anbieter gefunden haben. Der Service ist zwar kostenlos und scheint einen seriösen Eindruck zu machen, jedoch wollte ich hier trotzdem nach Ihren Meinungen und Erfahungen fragen. Ein Vergleich der ERP Anbieter durch einen externen Dienst scheint sinnvoll zu sein, wie ich finde. Was sagen Sie dazu? Vielen Dank!