Lösungen, Anwendungs-Modernisierung

Die Schmerzgrenze bei MySQL

Blogeintrag von,

Manche Nachrichten tun richtig weh: Die Bedeutung von MySQL werde demnächst abnehmen, schreibt Matthew Aslett. Der ist nun wahrlich nicht irgendwer, sondern bildet zusammen mit Jay Lyman die Abteilung Commercial Adoption of Open Source (CAOS) beim Marktanalysten „The 451 Group“. Die beiden haben sich durch fundierte Analysen über die Open-Source-Gemeinde hinaus einen Namen gemacht. Und jetzt dieser vernichtende Befund einer Anwenderbefragung, der wohl weitere MySQL-Anwender verunsichern wird (weitere Daten hier).

Dabei ist MySQL ein „Leuchtturm“. Für den Erfolg von Open Source steht vor allem eine Kombination: LAMP. Das heißt: Linux, Apache, MySQL und wahlweise einer der Programmiersprachen PHP, Perl oder Python. Und demnächst soll das „M“ da herausfallen? Glatt undenkbar. Na ja, soweit ist es schließlich noch nicht. Immerhin verwenden weltweit Millionen IT-Organisationen diese Open-Source-Datenbank, 80 Prozent der von CAOS Befragten. So schnell ändern sich da nicht die Verhältnisse; eine Datenbank migriert man nicht mal eben.

Offenbar haben das die Anwender aber doch vor. In einem explodierenden Datenbankmarkt, so die CAOS-Befunde, werde das Geschäft rund um MySQL bis 2015 im Jahresschnitt um 40 Prozent zulegen. Aber: Schon 2014 wollten nur noch 62 Prozent der Befragten diese Open-Source-Datenbank nutzen, 2017 sogar nur noch 54 Prozent. Dieser Rückgang ist sogar noch stärker als bei Microsoft SQL Server (-9,3 Prozent) und Oracle (-5.9 Prozent).

Das würde bedeuten, dass die Strategie von Oracle nicht aufgeht, mit dem Kauf von MySQL deren Anwender auf das hauseigene proprietäre Produkt herüber zu ziehen. Vielmehr könnten Open-Source-Alternativen wie PostgreSQL und MariaDB bessere Perspektiven haben. Die Gewinner werden nach Vorhersage von Aslett vor allem NoSQL- und „NewSQL“-Datenbanken sein, wobei er den letzten Begriff nicht definiert.

Die erschreckenden Daten für MySQL zeigen vor allem, dass Oracle mit MySQL alles vermasselt hat. Rabiate Preiserhöhungen für den Support, fehlende MySQL-Kenner (die „Altvorderen“ haben größtenteils gekündigt), lange Release-Zyklen. Das ist nicht ein Ambiente, um Kunden bei der Stange zu halten. Schon gar nicht gefällt das jenen Anwendern, die gemerkt haben, das die MySQL-Entwickler zu Sun Zeiten noch vorhatten, das Produkt in die Klasse der proprietären Großdatenbanken zu heben. Daran hat Oracle ohnehin kein Interesse, weil es das angestammte Business gefährden würde.

Es wäre schier zu wünschen, dass Oracle endlich ein Einsehen mit seiner Unfähigkeit hat, mit Open-Source-Produkten umzugehen, sie auf eine erfolgreiche Schiene zu setzen. Bei OpenOffice hat die Firma auch aufgegeben, als mit LibreOffice plötzlich eine Alternative mit starker Community entstand. Sie haben OpenOffice komplett an die Apache Software Foundation (ASF) übergeben, wo es jetzt gerade als Apache OpenOffice ein Revival erlebt. So etwas wäre für MySQL nur zu wünschen. Gebt es der ASF!

Noch deutet nichts darauf hin – und das könnte wirklich einmal zu einem Problem von MySQL werden. Glücklicherweise gibt es für dessen Anwender eine Alternative: MariaDB, der Aslett Zuwächse voraussagt. Das ist ein Fork von MySQL, der technisch inzwischen der Mutterentwicklung überlegen, zu ihr kompatibel ist und Support durch SkySQL bekommt. Das könnte LAMP dann das „M“ retten.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in München.

(4) (4)

Diskussion
Möchten Sie dazu einen Kommentar abgeben? Anmeldung oder Registrierung.
Kaj Arnö
Kaj Arnö 20 Punkte | Mo, 07/30/2012 - 12:14

Endet die Glanzzeit von MySQL? 

So sehr ich verstehe, dass es „richtig weh tut“ (Schmitz), was mit diesem Herzstück von LAMP geschieht: Hat jemand irgendetwas anderes erwartet? Oracle kann einfach kein Interesse daran haben, MySQL aggressiv weiter zu entwickeln. Gelegentlich ein neues Release, um die übelsten Bugs aus dem Weg zu räumen. Ein Support-Angebot, das nicht unbedingt preisgünstig ist. Das muss reichen. Wirklich weiterentwickeln wird Oracle die Open-Source-Datenbank nicht. Denn letztlich würden sie dabei womöglich das Kern-Business mit der hauseigenen proprietären Datenbank beschädigen. Oracle sind die Interessen der Aktionäre wichtiger als die der MySQL-Anwender.

Deswegen wird auch nichts werden aus dem Wunsch, Oracle möge MySQL der Apache Software Foundation übergeben. Er schreibt selbst, dass OpenOffice (zuvor auch bei Oracle) dort jetzt ein Revival erlebt. An einem Revival von MySQL kann Oracle jedoch nicht gelegen sein. Das proprietäre Kern-Business käme in Gefahr. Dahingegen ist ein langsames Dahinsiechen von MySQL durchaus im Sinne von Oracle.

Natürlich merken die Anwender, was in Sachen MySQL alles – vor allem nicht – passiert. Aber ist das wirklich so schlimm? Früher gab es diese kleine Firma MySQL AB, auf deren Existenz- und Leistungsfähigkeit man sich verlassen musste. Die einzige Sicherheit war die General Public License, unter der MySQL immer stand. Genau diese GPL ist auch heute die beste Verteidigung der Anwender. Denn sie machte den Fork MariaDB möglich.

Diese Open-Source-Datenbank entwickelt Monty Program technisch im Interesse der Anwender weiter. Und auf der kommerziellen Seite gibt es mit SkySQL einen kompetenten Dienstleister für Vertrieb und Support. Es gibt keinen Grund, sich wirklich größere Sorgen wegen Oracle's MySQL-Politik zu machen. Matthew Aslett schreibt: „The MySQL ecosystem is now arguably more healthy and vibrant than it has ever been.“ Das ist es vor allem, weil MySQL zwar im Besitz von Oracle, aber kein Monopol ist. Dank GPL gibt es die kompatible Alternative MariaDB. Deren Entwicklung ist der einstigen Mutter inzwischen vorausgeschritten.

Dabei hat MariaDB zuletzt einige Verbesserungen erfahren, die der aufkommenden Konkurrenz aus der NoSQL-Ecke ein paar Vorteile nehmen. Aslett sieht in diesem Datenbanktyp den größten Herausforderer für MySQL. Da unterliegt der Marktanalyst wohl zum Teil einem Hype. NoSQL ist und bleibt etwas für Nischen, in denen sich SQL-Datenbanken schwer tun. Die große Masse der Anwendungen arbeitet mit den standardisierten und oft schnelleren tabellarischen Informationssilos besser. MySQL mag seine bisher dominante Marktposition etwas schwinden sehen. Die Anwender werden nichts einbüßen.

Kaj Arnö, Executive Vice President Products, SkySQL AB